... die Freimaurerei in ihrer heutigen Form geht auf die Erbauer der Dome und Kathe-dralen des Mittelalters und auf ihre Werkstätten, die Dombauhütten, zurück.
Privilegiert durch päpstliche und königliche Edikte bereisten die Dombauer das damalige christliche Abendland. Sie gewannen so Einblicke in andere Kulturen und Denkweisen, die weit über die der, in Gilden und Zünften verhafteten, Handwerker und der Normalbürger hinausgingen. Es entwickelte sich eine Art besonderes Arbeitsrecht, da nur Gesellen und Meister, die die erforderlichen Passworte und Handgriffe kannten, sich als rechtmäßige Maurer ausweisen konnten. In den Bauhütten wurde wohl freier gedacht und gesprochen, die Baumeister galten als Beherrscher der Geometrie, welche die plan-mäßige Ordnung und Harmonie des Weltalls zu erkennen strebte. 

Als ab dem 17. Jahrhundert die Aufträge für Dombauten zurückgingen, die karitativen Verpflichtungen der Bauhütten aber überhand nahmen, nahm man zunehmend interessierte Fremde, sog. angenommene Maurer (Adel, Offiziere, Hofbeamte oder Intellektuelle) auf. Damit änderte sich auch der Charakter der Bau-hütten. 

1717 schlossen sich in London 4 »lodges«, Bauhütten, zur ersten »Großloge« zusammen. Das operative Bauhandwerk wurde nun ethisch und philosophisch unterlegt, Handlungen und Werkzeuge der Werkmaurer wurden zu Symbolen. So wurde das handwerk-liche Bauen zum sinnbildlichen Erbauen, zum Schaffen einer humanen Gesellschaft. Es kon-kretisierten sich aus freiheitlichem Denken die Begriffe der Humanität, Brüderlichkeit, Gleichheit mit dem Ziel der Selbstvervollkommnung des Einzelnen. In den Logen fanden sich Männer zusammen, die die Ungerechtigkeit der Zeit, des Absolutismus, spürten und aufbegehrten. Im Freiraum der Logen versuchte man die Ideale 

	•	der Freiheit, 
	•	der Ethik, 
	•	der Humanität 
	•	und der Toleranz
zu verwirklichen, wie sie in der Folge der Renaissance und der Aufklärung europäisches Gedankengut beeinflussten. 

Diese Ideale sind bis heute Grundauffassung der freimaurischen Lehre.

So ist die Freimaurerei gewachsen im Laufe der Zeiten. Sie wurde mit dem Streben nach Selbstfindung und Selbsterkenntnis nicht nur die Philosophie der Aufklärung, deren prägende Gestalt Kant mit seinem »Kategorischen Imperativ« war, sondern ist bis heute als eine ethische und geistige Bewegung auch eine Lebenshaltung und Lebensform. 

Die Freimaurerei vereinigt Menschen, die in brüderlicher Form durch ehrwürdige, rituelle Handlungen geistige Vertiefung und sittliche Veredlung erstreben. Der Freimaurerbund ist ein ethischer, kein politischer Bund, keine Religionsgemeinschaft und verlangt keine gesetzwidrige Verschwiegenheit.