Freimaurerei

Die Freimaurerei ist eine international verbreitete Vereinigung, die unter Achtung der Würde des Menschen für Toleranz, freie Entwicklung der Persönlichkeit, Brüderlichkeit und allgemeine Menschenliebe eintritt. Sie geht davon aus, dass menschliche Konflikte ohne zerstörerische Folgen ausgetragen werden können. Voraussetzung dafür ist die Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Menschen unterschiedlicher Überzeugungen. Die Freimaurerei ist stark auf den einzelnen Menschen ausgerichtet und bemüht, ihn sittlich zu vervollkommnen.
(Helmut Reinalter in "Die Freimaurer", ISBN 3-406-44733-3)

Auf diese Frage: „Was ist Freimaurerei?“ gibt es mehrere Millionen Antworten, da jeder Freimaurer auf der Welt eine andere Definition geben kann. Da die Freimaurerei nicht dogmatisch ist, gibt es auch keine verbindliche Erklärung. Allerdings haben alle Freimaurer eine gemeinsame Lebensanschauung, so dass die Antworten ähnlich ausfallen werden. Eine oft gebrauchte, alte englische Definition ist:

 


Daheim ist sie Güte,
im Geschäft ist sie Ehrlichkeit,
in Gesellschaft ist sie Höflichkeit,
bei der Arbeit ist sie Anständigkeit!
Für den Unglücklichen ist sie Mitleid,
für den Schwachen ist sie Hilfe,
für den Starken ist sie Vertrauen.
Dem Gesetz gegenüber ist sie Treue,
gegen das Unrecht ist sie Widerstand.
Beim Reuigen ist sie Verzeihen,
für den Glücklichen ist sie Mitfreude.
Vor Gott ist sie Ehrfurcht und Liebe.

Lessing antwortet in "Ernst und Falk":
„Freimaurerei ist nichts Willkürliches, nichts Entbehrliches, sondern etwas Notwendiges, das im Wesen der Menschen und in der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist.“

Die Schweizer Großloge "Alpina“, antwortet:
„Der Zweck des Freimaurerbundes ist die Erziehung seiner Mitglieder zum wahren Menschentum.
Die Mittel hierzu sind die Übung der von den mittelalterlichen Bauhütten übernommenen symbolischen Gebräuche und der gegenseitige Austausch über die wichtigen Angelegenheiten der Menschheit.
Ferner die Pflege des Idealen und Anregung zu wahrer Freundschaft und Bruderliebe. Jeder soll diese Grundsätze außerhalb der Loge verbreiten, die Aufklärung nach Kräften fördern und der Intoleranz entgegentreten. In der Loge werden die Mitglieder durch gemeinsames Erleben von Symbol und Ritual zur Selbsterziehung angeregt. Durch Eintreten für die Würde des Menschen und Pflege der Brüderlichkeit und durch Übung der Wohltätigkeit versuchen die Freimaurer, die Ideale der Humanität zu verwirklichen.“

In einem Satz kann man auf die Frage, was Freimaurerei ist, antworten:
„Die Freimaurerei hilft mit, dass jeder Bruder ein ausgeglichener Mensch und damit die Welt ein wenig menschlicher wird.“

In ihrer heutigen Form geht die Freimaurerei auf die Erbauer der mittelalterlichen Dome, Kathedralen und Münster zurück. Ihre Werkstätten, die Dombauhütten, waren zugleich Lager, Aufenthalts- und Lehrraum. Durch päpstliche und fürstliche Patente privilegiert konnten sie das christliche Abendland bereisen. Sie gewannen dadurch neue und andere Einblicke in andere Kulturen und Lebens- und Denkweisen, die weit über die der Gilden und Zünfte verhafteten Handwerker und Bürger hinausgingen. Es entstand in einer Zeit, da nur wenige lesen und schreiben konnten, eine besondere Art des Arbeitsrechts, in dem sich Gesellen und Meister durch Passworte und Griffe legitimierten. Da diese Erkennungszeichen ihnen Arbeit und Lohn verschafften, wurden sie natürlich vertraulich, geheim behandelt.

In den Bauhütten wurde auf Grund der Erfahrungen wohl freier gedacht und gesprochen, geschützt durch jene Vertraulichkeit. Die Baumeister waren hochgeachtet, als Kenner der Geheimnisse der Baukunst und als Beherrscher der Geometrie, welche die planmäßige Ordnung und Harmonie des Weltalls zu erkennen strebte. Und die im himmelwärts strebenden Bau der Kirchen zum Ausdruck kam.
Als im 18. Jahrhundert die Zeit der Gotik sich neigte, Kriege den Kirchenbau, besonders in Deutschland, zum Erliegen brachte, die karitativen Verpflichtungen der Bauhütten aber blieben, wandelte sich der Charakter der Logen. An der Baukunst Interessierte und Männer, vor allem in Schottland und England, die den angeblichen Geheimnissen der Bauleute nachspürten, wurden Unterstützer und schließlich sog. „angenommene“, also berufsfremde Maurer. Es waren vorwiegend Adlige, Intellektuelle, Offiziere oder Hofbeamte, kurz: Gentlemen, die sich auf Augenhöhe, ohne Standesunterschiede (in der damaligen Zeit ein unerhörter Vorgang) mit den noch operativen Maurern trafen. Dazu kam die damals schon ausgeprägte Vorliebe für das Clubwesen.

1717 schlossen sich in London 4 „lodges“, Bauhütten, Logen, zur ersten Großloge zusammen. Das Bauhandwerk, die Werkzeuge, Gebräuche und Handlungen wurden nun zu Symbolen und ethisch und philosophisch unterlegt. So wurde das handwerkliche Bauen zum sinnbildlichen Schaffen, zum Errichten einer menschlicheren Gesellschaft. Die Freimaurer sprechen vom „Bau des Tempels der Humanität“.
Es konkretisierten sich aus freiheitlichem Denken die Begriffe der Humanität, der Toleranz, der Brüderlichkeit oder der Achtung des Anderen. Ziel war und ist es bis heute die Selbstvervollkommnung der Einzelnen. In den Logen fanden sich Männer zusammen, die gegen die Ungerechtigkeit der Zeit, des Absolutismus ´, aufbegehrten. Im geschützten Freiraum der Logen versuchte man die Ideale

- der Freiheit
- der Ethik
- der Humanität
- der Achtung des Anderen
- und der Toleranz

zu verwirklichen, wie sie in der Folge in der Renaissance und den Strömungen der Aufklärung das europäische Gedankengut beeinflussten.

Diese Ideale sind bis heute Grundauffassung der freimaurischen Überzeugung und Lehre.

Dadurch ist die Freimaurerei im Laufe der Zeit gewachsen. Das, was einst über dem Tempel des Apoll in Delphi und anderen Weisheitsschulen des Altertums stand: „Gnothi Seautón“ – Erkenne Dich selbst, wurde Maxime der Maurerei. Sie wurde mit dem Streben nach Selbstfindung und Selbsterkenntnis nicht nur die Philosophie der Aufklärung, deren prägende Gestalt Kant mit seinen Imperativen war, sondern ist bis heute als eine ethische und geistige Bewegung auch eine Lebenshaltung und Lebensform.

Die Freimaurerei vereinigt so Menschen, die in brüderlicher Form durch ehrwürdige, rituelle Handlungen geistige Vertiefung und sittliche Veredelung erstreben. Der Freimaurerbund ist ein ethischer, weltlicher, kein wirtschaftlicher oder politischer Bund, keine Religionsgemeinschaft und verlangt keine gesetzwidrige Verschwiegenheit.




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